Marktumfeld
Marktvolumen
Deutschland hat den größten Markt für Finanzdienstleistungen in Kontinentaleuropa. Gemäß einer Statistik der Deutschen Bundesbank hatten die entsprechenden Institute in Deutschland zum Ende 2008 folgende Bestände:
- 966 Mrd. EUR Wohnungsbaukredite an private Haushalte
- 169 Mrd. EUR Wohnungsbaukredite an Wohnungsunternehmen
- 448 Mrd. EUR Konsumentenkredite und sonstige Kredite an private Haushalte
- 506 Mrd. EUR Einlagen von privaten Haushalten
- 120 Mrd. EUR Bauspareinlagen von privaten Haushalten
Zudem hatten gemäß der Statistik des Gesamtverbands der Versicherungswirtschaft die Versicherungsgesellschaften in Deutschland im Jahr 2008 folgende Zahlen:
- 165,3 Mrd. EUR Beitragseinnahmen (davon 76,2 Mrd. in Lebensversicherungen)
Marktsegment der Finanzvertriebe
In vielen entwickelten Märkten, wie jenen der USA, Australien oder Großbritannien haben die unabhängigen Finanzvertriebe bereits höhere Marktanteile als klassische Bankfilialen. Dagegen steht das Segment der Finanzvertriebe in Deutschland noch am Anfang seines Wachstumspfades. So lag beispielsweise im für Hypoport wichtigsten Produktsegment der Immobilienfinanzierung der Marktanteil der Vermittler im Jahr 2000 noch bei unter 10 Prozent. Aktuell schätzen wir den Marktanteil auf über 20 Prozent. Wir glauben, dass sich dieser in den nächsten Jahren noch einmal verdoppeln kann. Die größeren Finanzvertriebe in Deutschland sind inzwischen mit ihren Produktpartnern weitgehend technisch vernetzt und übernehmen von diesen einen Großteil der Aufgaben. Das ist eine Marktentwicklung, die insbesondere Hypoport ermöglicht hat.
Neben den wachsenden Netzwerken vieler kleiner Vermittler, haben sich insbesondere in Deutschland starke Finanzvertriebe mit eigener Markenpositionierung herausgebildet. Diese binden ihre Vertriebsmitarbeiter meist exklusiv an ihre Marke. Leider haben viele dieser größeren Finanzvertriebe ihre für die Kunden so wichtige Unabhängigkeit inzwischen verloren und sind von einzelnen Banken oder Versicherungen übernommen worden.
Marktsegment der Filialbanken
Deutschlands Filialbanken befinden sich in einem langsamen aber kontinuierlichen Konsolidierungsprozess. Vielen kleinen Instituten fehlt die kritische Masse, um ihre Bankprodukte zu marktgerechten Kosten anbieten zu können. Sie beginnen deshalb mit der Vermittlung an größere Partner. Diese kooperieren zwar mit den kleineren Instituten, stellen sich aber auch vermehrt auf das wachsende Segment der Finanzvertriebe ein. Beispielsweise werden heute verstärkt Versicherungen über Bankfilialen verkauft.
Zunehmende Bedeutung des Internets
Für den privaten Verbraucher ist das Internet inzwischen zum wichtigsten Informationsmedium für Finanzdienstleistungen geworden. Laut einer Studie von Mercer Oliver Wyman aus dem Jahr 2007 ist das Internet bei jeder zweiten Immobilienfinanzierung die wichtigste Informationsquelle und das vorrangige Anbahnungsinstrument. Allerdings erfolgen die Abschlüsse überwiegend in Filialen. Demzufolge kann das Interesse des Kunden zwar über das Internet geweckt werden, für den Vertragsabschluss ist aber oftmals eine Filiale erforderlich.
Als Abwicklungsinstrument unter professionellen Marktteilnehmern hat das Internet insbesondere durch den B2B-Finanzmarktplatz von Hypoport eine hohe Bedeutung erlangt.
Ausland
In Kontinentaleuropa haben nur wenige Länder das Marktniveau Deutschlands schon erreicht. Das Volumen der osteuropäischen Staaten ist zu gering, als dass sich die Implementierung von B2B-Finanzmarktplätzen schon lohnen würde. Auch Vermittler spielen in dieser Region noch keine entscheidende Rolle. Die Märkte der nordischen Länder sind ebenfalls sehr klein und häufig durch oligopolistische Strukturen mit entsprechender Transparenz geprägt. Die südeuropäischen Märkte sind diesbezüglich noch gänzlich unbedeutend. Lediglich in den kleinen Benelux-Staaten ergibt sich ein interessanter Markt. So haben die Niederlande einen Immobilienfinanzierungsmarkt, der auf Grund der hohen Eigenheimquote immerhin etwa halb so groß ist wie der deutsche. Wegen des hohen Marktanteils der Vermittler ist das Segment des Vermittlermarktes in absoluten Zahlen sogar größer als in Deutschland.
Aktuelle Entwicklungen 2009
Von der globalen Finanz- und Wirtschaftskrise ist natürlich auch der deutsche Finanzdienstleistungsmarkt betroffen. Allerdings erlebte dieser in keiner Weise die radikalen Einbrüche der Märkte anderer Länder. Im Gegensatz blieb der Immobilienfinanzierungsmarkt im Vergleich zum Vorjahr relativ stabil. Auch das Vertrauen der Sparer in die deutschen Banken ist nach wie vor gut. Zum Jahreswechsel 2008/2009 ergab sich eine Umschichtung von Sparergeldern der Privatbanken hin zu den Volksbanken und Sparkassen. Die wiederum nutzten die zufließenden Mittel, um mit attraktiven Konditionen neue Kreditkunden zu gewinnen.
Die zwei wesentlichen Markteinflüsse der Finanz- und Wirtschaftskrise auf den deutschen Finanzdienstleistungsmarkt sind das veränderte Angebot der Produktanbieter und die Verunsicherung der Verbraucher. So verabschiedeten sich einige Produktanbieter durch die Verschlechterung ihres Produktangebots praktisch vom Markt. Andere – bis dahin unbedeutende Produktanbieter – konnten hingegen Marktanteile gewinnen und zusätzlich Kapazitäten aufbauen. Auf der Seite der Verbraucher führt die Verunsicherung zu mehr Beratungsbedarf und tendenziell zu einem Rückgang der Konversionsraten.
Als Antwort auf die Krise haben unter anderem die anstehenden Herausforderungen der Institute aller Banksektoren – sowohl in Bezug auf ihre Transparenz, als auch auf ihre Prozesseffizienz – zu einer deutlichen Nachfrage nach B2B-Finanzmarktplätzen geführt.
